Scientology: Sekte oder Religion?

Lesezeit: 7 Minuten

Der folgende Text ist nicht objektiv, sondern wertend und vertritt die Meinung des Autors! Diese kann von der Meinung der Redaktion abweichen.

Sie selbst nennt sich Kirche, von anderen wird sie allerdings als Sekte bezeichnet. Was ist Scientology also wirklich?

Den Podcast zu diesem Artikel gibt es hier:

Scientology – worum geht es da überhaupt?

„Scientology, von L. Ron Hubbard gegründet, ist eine Religion, die einen exakten Weg bietet, der zu einem vollständigen Verstehen und einer Gewissheit über die eigene spirituelle Natur führt, über die Beziehung zu sich selbst, zur Familie, zu Gruppen, zur Menschheit, zu allen Lebensformen, zum materiellen Universum, zum geistigen Universum und dem höchsten Wesen.“ – so beschreibt sich Scientology auf ihrer Homepage selber.

Auf Wikipedia wird sie als eine „Neue Religiöse Bewegung“ beschrieben. Das klingt ja schon recht ähnlich, zu dem wie sie sich selber beschreibt. Oder nicht? Scientology ist eine Religion, oder Scientology ist eine neue religiöse Bewegung. Wo ist da schon der Unterschied?

Naja, der Begriff „Neue Religiöse Bewegung“ ist eigentlich nichts anderes als eine schöne Beschreibung des Begriffs „Sekte“.

Wo Wikipedia und Scientology aber übereinstimmen, ist der Punkt, dass Scientology von dem US-amerikanischen Schriftsteller Lafayette Ronald Hubbard gegründet worden ist.

Scientology schreibt: „L. Ron Hubbard war Schriftsteller, Philosoph, Menschenfreund und der Gründer der Scientology Religion.“ Dass Hubbard Science-Fiction-Schriftsteller war, wird nicht erwähnt. Laut Scientology hat der Name jedoch nichts mit Science-Ficition zu tun. „Science“ steht für das lateinische “scientia” , zu deutsch „Wissen“ oder „Wissenschaft“ und „tology“ für das griechische Wort „Logos“, zu deutsch „Wort“, „Rede“ oder „Logik“. Laut Hubbard ist Scientology das Studium von Wissen.

Wenn man sich jedoch mit der Lehre und den Praktiken von Scientology auseinandersetzt, merkt man sofort, dass Ron Hubbard ein Science-Fiction-Autor war.

Die Scientology-Methoden

Herzstück der scientologischen Lehre ist die Vorstellung, dass das unsterbliche Wesen jedes Menschen, der „Thetan“, durch traumatische Erlebnisse und insbesondere durch zwei Ereignisse vor Millionen von Jahren massiv in seiner Funktionsweise beeinträchtigt worden sei.

Scientology-Technologien, insbesondere das sogenannte „Auditing“, könnten die Funktionsweise des Thetans zumindest teilweise wieder herstellen.

Erklärtes Ziel Scientologys ist es, auf diese Weise das Leben des Einzelnen zu verbessern, insbesondere sein geistiges und körperliches Wohlbefinden zu steigern und mehr Geld zu verdienen. Auf gesellschaftlicher Ebene ist die Hinwendung aller Menschen zu den Gedanken Scientologys das Hauptziel. Daneben wird unter anderem die Abschaffung von psychiatrischen Kliniken gefordert.

Einen wichtigen Ausgangspunkt des scientologischen Wirklichkeitsmodels bildet das physikalische Universum, welches laut Scientology aus Materie, Energie, Raum und Zeit besteht.

Parallel zu diesem Modell setze sich der Mensch aus drei Teilen zusammen: Dem Thetan, dem Verstand und dem sterblichen Körper. Der Thetan ist kurz gesagt das Gedächtnis. Der Verstand löst Probleme und speichert Erfahrungen, sowie sogenannte „Engramme“. Laut Scientology würden Engramme den Thetan noch weiter in seinen schöpferischen Fähigkeiten einschränken. Je mehr Engramme sich ansammelten, desto weiter sei der Mensch von seiner wahren Natur entfernt. Dieses Schicksal zu vermeiden, ist das Ziel eines Scientologen, also einer Person, die bei Scientology Mitglied ist.

Die Methode namens „Dianetik“ soll dabei diese Engramme auflösen.

Anbrüllen bis zum psychischen Zusammenbruch

Eine Technik ist aber auch das sogenannte „Auditing“. Gemeint ist eine besondere Form des Gespräches zwischen dem Auditor und dem “pre-clear”, welcher auditiert wird. Ziel des Gespräches ist es, die negativen Auswirkungen des reaktiven Verstandes zu verringern. Das Ziel ist es, zurückliegende Geschehnisse – zum Beispiel mit emotionalem und körperlichem Schmerz verbundene Ereignisse – aufzufinden, welcher die meisten psychischen Schwierigkeiten zugrunde liegen sollen. Diese Geschehnisse sollen so lange erzählend wiedererlebt werden, bis ihre Ladung emotionaler Spannungen verschwindet. Der Auditor unterstützt diesen Prozess, indem er Anweisungen gibt, Fragen stellt und die Anzeigen des “E-Meters” beobachtet, um solche Engramme aufzuspüren. Ein “E-Meter” ist dabei so etwas wie ein Lügendetektor.

Das utopische Ziel von Scientology ist ein erleuchtetes Zeitalter, in dem jeder Mensch clear, also von seinen Engrammen befreit ist.

Da das recht kompliziert war, hier ein Beispiel:

Ein Scientologe hat schlecht über Scientology gesprochen, dies hat ein anderer Scientologe mitbekommen und ihn verpfiffen. Jetzt wird der „Sünder“ mit einem Auditor zusammen in einen Raum gesperrt. Dieser fragt dann: „Hast Du schlecht über Scientology gesprochen?“ Der Auditierte sagt dann natürlich zu seinem eigenen Schutz „Nein!“ Das E-Meter schlägt dann aus. Der Auditor fragt dann noch einmal die gleiche Frage und wahrscheinlich wird der Auditierte immer noch mit „Nein“ antworten. Dies geht eine Weile hin und her und der Auditor wird immer lauter und lauter und fängt dann irgendwann auch an zu schreien. Irgendwann sagt der Auditierte dann, unabhängig davon, ob es nun stimmt oder nicht: „Ja ich habe etwas Schlechtes über Scientology gesagt“. Denn das Auditing geht so lange, bis der Auditor die gewünschte Antwort hört. Ist dies der Fall, wird der Auditor wieder leiser und netter, und das Auditing ist beendet.

Beim Auditing wird ein enormer psychischer Druck auf den Auditierten aufgebaut. Außerdem darf dieser den Raum nicht verlassen, weder essen oder trinken, noch auf die Toilette gehen. Scientology wird deswegen auch seit 1997 vom Verfassungsschutz beobachtet.

Aussteigen aus der „Chruch of Scientology“ ist übrigens gar nicht so leicht; Aussteiger berichten, sie hätten Mord- und Drohanrufe bekommen und ihre Türen wären eingetreten worden. Viele mussten sich eine neue Existenz aufbauen.

Also: Scientology – wohl mehr Sekte als Kirche oder Religion!

Scientology als Wohltäter?

Gibt es aber auch Positives an Scientology? Die klare Antwort: Jein.

„Drogenfrei. Für immer.“ – so heißt es auf narconon.org. „Bei Narconon glauben wir nicht, dass ein Drogenabhängiger sein Leben lang abhängig sein muss. Wir glauben nicht, dass Abhängigkeit eine unheilbare Krankheit ist. Wir glauben, dass man sich verbessern kann.“

Auf den ersten Blick macht die Seite einen seriösen Eindruck. Gut – vielleicht hat sie ein etwas veraltetes Design, aber ansonsten gibt sie einem ein recht positives Gefühl. Sucht man aber ein bisschen tiefer, findet man zwischen ganz vielen anderen Buttons: “L. Ron Hubbard”. Klickt man drauf, erfährt man, wer Ron Hubbard ist und dass seine Theorien bei Narconon angewendet werden. Scientology wird jedoch nicht im Geringsten erwähnt. Findet man Narconon also nichts ahnend im Netz, wird der Eindruck erweckt, dass es sich hierbei um eine seriöse Hilfsorganisation handelt.

Mit solchen Organisationen will Scientology zeigen, was für tolle Hilfsaktionen sie doch haben und was für eine Bereicherung für die Welt sie doch seien.

Wir haben bei Narconon nachgefragt, warum sie denn nicht auf ihre Webseite schreiben, dass die zu Scientology gehören, denn umgekehrt wird auf der Seite von Scientology über Narconon berichtet, und haben daraufhin Folgendes erhalten:

In allen Programmen und sogar auf der Webseite wird der Bezug zu den Lehren von L. Ron Hubbard ersichtlich.

narconon.org via Twitter auf unsere Anfrage

Scientology erwähne zudem die Aktivitäten von Narconon gerne als Beweis für soziale Tätigkeit.

Von Kritikern wird Narconon vorgeworfen, dass die Organisation keine Erfolge in der eigentlichen Kerndisziplin, nämlich in der Rehabilitation der Kranken vorzuweisen habe. Viele der Suchtkranken blieben süchtig und mit der Droge in Kontakt. Viele der Schutzbedürftigen sowie deren Angehörige sollen durch die kostspieligen Kurse und die Unterbringungen finanziell an die Organisation gebunden worden sein.

Wenn ihr mehr über Nebenorganisationen von Scientology erfahren wollt, die Kinder und Jugendliche von Drogen abhalten sollen, dann können wir euch die ARD-Reportage „Die Story: Miese Tour von Scientology“ empfehlen.

Zum Abschluss lässt sich also sagen (und hier kommt jetzt der Teil ins Spiel, warum dieser Beitrag als “Meinung” gekennzeichnet ist), dass man doch am Besten die Finger von Scientology lassen sollte, außer ihr wollt von Auditoren angeschrien werden und dafür auch noch viel Geld bezahlen.

Filmtipp: Passend zum Thema empfehlen wir euch das ARD-Psychodrama aus dem Jahr 2010 “Bis nichts mehr bleibt“*.

Dieser Beitrag erschien erstmalig am 24.03.2019 bei „IstDasFakt?! – der Podcast“.

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