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HIV/Aids gilt bislang als unheilbare Krankheit. Nun soll es Medizinern jedoch gelungen sein, einen Mann davon zu heilen – und das schon zum zweiten Mal.

Doch stimmt diese Meldung?

Über diese Bewertung

Der Unterschied zwischen HIV und Aids

HIV und Aids werden im allgemeinen Sprachgebrauch oft synonym verwendet, sind jedoch nicht gleichzusetzen.

HIV steht für „Human immunodeficiency virus“ (dt. Menschliches Abwehrschwäche-Virus). Wie der Name verrät, schwächt der HI-Virus das Immunsystem. Dadurch kann der Körper Krankheitserreger wie Bakterien und Viren nicht mehr bekämpfen. Die Folge kann eine lebensbedrohliche Erkrankung, bspw. eine schwere Lungenentzündung, sein. Ab da spricht man von Aids.

Aids steht für „Acquired Immune Deficience Syndrome“ (dt. Erworbenes Abwehrschwäche-Syndrom). Durch Medikamente kann der HI-Virus unterdrückt werden, sodass ein Ausbruch von Aids verhindert wird. Eine mit HIV infizierte Person hat also nicht automatisch Aids.

Die Behandlung

Mit HIV können die meisten Menschen dank Behandlung gut und lange leben.Heike Gronski, Deutsche Aidshilfe

Heutzutage haben an HIV erkrankte Personen in der Regel eine normale Lebenserwartung, solange sie die erforderlichen Medikamente regelmäßig einnehmen. Eine Heilung ist bisher nicht möglich. Doch trotzdem ist es Forschern der Berliner Charité 2007 gelungen, einen US-Amerikaner von der Krankheit zu befreien.

Der erste Fall

1995 wurde bei Timothy Brown die HIV-Erkrankung diagnostiziert. Daraufhin erhielt er elf Jahre lang die gängigen Medikamente, um einen Aidsausbruch zu verhindern.

2007 erreichte Brown eine neue, dramatische Diagnose: Blutkrebs. Die daraufhin angesetzte Chemotherapie blieb erfolglos und so entschloss sich der Arzt Gero Hütter von der Berliner Charité für eine Stammzelltransplantation, um das Leben des Mannes zu retten.

Die Stammzelltransplantation ist eine gefährliche Therapie, denn bevor der Empfänger die neuen Stammzellen erhält, wird das Immunsystem komplett zerstört. Bei Brown verlief sie jedoch problemfrei – der Blutkrebs verschwand. Darüber hinaus war es dem Arzt Geo Hütter zusätzlich gelungen, einen Stammzellspender mit einer seltenen Veränderung im Gen „CCR5“ zu finden. Diese Mutation schützt vor HIV-Infektionen. Durch die neuen Stammzellen in Browns Blut verschwanden auch die HI-Viren und er konnte die Medikamente absetzen. Die weltweit erste Heilung eines HIV-Patienten war geglückt!

Der zweite Fall

Vor wenigen Wochen machte dann „The London Patient“ Schlagzeilen. Adam Castillejo soll der weltweit zweite Mann sein, der vollständig von HIV geheilt wurde.

2003 bekam Castillejo die Diagnose HIV, 2012 zusätzlich Lymphdrüsenkrebs. Auch bei ihm kamen die diesmal britischen Ärzte mit einer Chemotherapie nicht weiter und entschieden sich deshalb für die riskantere Stammzelltransplantation. Wie schon bei Brown verlief sie auch bei Castillejo erfolgreich. Und auch Castillejos Stammzellspender hatte eine Veränderung im „CCR5“-Gen. Rund zweieinhalb Jahre nach der Therapie können bei ihm keinerlei HI-Viren mehr nachgewiesen werden, berichten die Mediziner der Universität Cambridge. Er gilt damit als der weltweit zweite Patient, der von HIV geheilt wurde.

Liegt tatsächlich eine komplette Heilung vor?

Im kompletten Artikel wurde bisher von „Heilung“ gesprochen: Timothy Brown und Adam Castillejo sollen beide vom HI-Virus „geheilt“ worden sein. Doch mit diesem Begriff muss eigentlich vorsichtig umgegangen werden. Denn bei einer Nachsorgeuntersuchung von Brown im Jahr 2012 wurden in einer Blutprobe erneut HI-Viren gefunden. Wenn auch nur klein und bruchstückhaft. In einer weiteren Blutprobe allerdings wiederum nicht. Die Zweifel an der Heilung sollen wohl auf einer fehlerhaften Untersuchung beruhen.

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Eine „Heilung“ von HIV sollte eher als „kein intaktes Virus“ definiert werden, so Mediziner aus Australien. Ob in den beiden Fällen tatsächlich von einer Heilung gesprochen werden kann, müsse sich noch zeigen.

Die „Schwulenkrankheit“

Wo wir schon einmal beim Thema HIV/Aids sind, nutzen wir doch die Gelegenheit, um über einen weitverbreiteten Mythos aufzuklären.

Für viele Menschen ist HIV nur ein Problem von homosexuellen Männern. Und die Zahlen bestätigen dies auch: Die meisten neuinfizierten Personen pro Jahr sind Männer, die ungeschützten Sex mit Männern hatten. Aber es sind eben nicht alle. Der Virus richtet sich nicht nach der sexuellen Orientierung oder dem Geschlechtspartner. Jeder kann sich durch ungeschützten Anal-, Vaginal- und Oralverkehr infizieren. Deshalb ist neben der Nutzung eines Kondoms auch ein regelmäßiger HIV-Test empfehlenswert.

Rund 11.000 Personen in Deutschland sind schätzungsweise HIV-positiv ohne es zu wissen und damit nicht nur selbst gefährdet, sondern auch ein Risiko für andere. Jede Person, die ungeschützten Geschlechtsverkehr hat, sollte sich also unabhängig von der sexuellen Orientierung regelmäßig auf HIV testen lassen. Dies geht unter anderem in Arztpraxen und oftmals auch kostenfrei in Gesundheitszentren. Mehr Informationen dazu findest du bei der Aidshilfe.

Seit 2018 sind in Deutschland auch HIV-Schnelltests für zu Hause zugelassen. Wir haben dir hier* so einen Test zum Kauf verlinkt. Dabei handelt es sich um einen sogenannten Affiliate-Link, mit dem du uns unterstützt. Weitere Infos dazu findest du am Ende dieses Artikels. Bitte beachte jedoch, dass so ein Test für zu Hause erst drei Monate nach einem ungeschützten Sexualkontakt aussagekräftige Ergebnisse liefern kann.

Für weitere Informationen und Ansprechpartner wende dich bitte an Einrichtungen wie die Aidshilfe.

Dieser Beitrag erschien erstmalig am 19.03.2020 bei IstDasFakt?!

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Quellen:
aidshilfe.de, aidshilfe.de, aidshilfe.de, berlin-aidshilfe.de, dw.com, morgenpost.de, nytimes.com (EN), sueddeutsche.de, welt.de, wikipedia.org, zdf.de, zeit.de, zeit.de

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Finn Härtel

Hi, ich bin Finn. Aktuell studiere ich in Halle (Saale) Politikwissenschaften und Geschichte. In meiner Freizeit kümmere ich mich darum, dass hier bei IstDasFakt?! - der Faktenchecker alles so läuft, wie es soll. Außerdem bin ich Autor für den Podcast.

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