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Ist Homosexualität angeboren, also genetisch bedingt, oder ein Produkt des sozialen Umfelds? Diese Frage scheint viele zu beschäftigen. So auch die Wissenschaft.

Ein Forscher soll herausgefunden haben, dass die Wahrscheinlichkeit für Männer homosexuell zu sein steige, je mehr ältere Brüder er habe. Der Grund sei eine Immunreaktion der Mutter.

Doch stimmt das?

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Über diese Bewertung

Studie: Je mehr ältere Brüder, desto wahrscheinlicher die Homosexualität

1996 veröffentlichte der Sexualwissenschaftler Ray Blanchard eine Studie, in der es hieß, dass ein älterer Bruder die Wahrscheinlichkeit für den jüngeren Bruder, homosexuell zu sein, um 33 Prozent erhöhe. Blanchard nannte das den „fraternal birth order effect“, heute bekannt als „older brother effect“. Eine Erklärung hatte der Forscher damals jedoch noch nicht.

Der kanadische Wissenschaftler Anthony F. Bogaert wiederholte die Studie und fand heraus, dass der Effekt auch auftritt, wenn die Brüder getrennt voneinander aufwachsen. Es muss sich dabei also um einen genetischen bzw. biologischen Faktor handeln.

Rund 20 Jahre später fanden die beiden Forscher gemeinsam den vermeintlichen Grund für den „older brother effect“. Dazu untersuchten sie das Blut von 54 Frauen mit homosexuellen Söhnen und 72 Frauen mit heterosexuellen Söhnen. Dabei stellte sich heraus, dass die Mütter mit homosexuellen Söhnen größere Mengen eines bestimmten Antikörpers im Blut hatten, als die Mütter mit heterosexuellen Söhnen.

Diese Antikörper richten sich gegen ein bestimmtes Eiweiß, das nur von männlichen Föten produziert wird, da es vom Y-Chromosom stammt, welches nur bei Männern auftritt. Frauen haben hingegen zwei X-Chromosomen. Dadurch gelangt weniger dieses Eiweißes in das Gehirn des Babys, was die sexuelle Orientierung des Kindes laut den Forschern beeinflussen kann.

Außerdem fiel den Forschern auf, dass mehr Antikörper im Blut der Mütter war, je mehr Söhne sie hatten.

Diese Ergebnisse legen also nahe, dass sich eine Immunreaktion der Mutter auf die sexuelle Orientierung der männlichen Nachkommen auswirken kann. Allerdings: Bei nur etwa 15 % aller homosexuellen Männern spielt dieser Effekt eine Rolle. So gibt es auch Schwule, die keine älteren Brüder habe. Bei homosexuellen Frauen ist der Effekt nicht nachzuweisen.

Studien zu Homosexualität sind schwierig

Des Weiteren bleibt offen, wie die Forscher Homosexualität definiert haben.

Die sexuelle Orientierung ist nämlich nicht auf eine Ursache zurückzuführen. Es gibt kein „Homo-Gen“, das die sexuelle Orientierung vorschreibt und inwieweit das soziale Umfeld eine Rolle spielt, ist auch noch nicht eindeutig geklärt. Die Wissenschaftler müssen für die Studie also auf die Aussagen der Männer vertrauen. Doch wer gilt als homosexuell? Eine Person, die einmalig mit dem gleichen Geschlecht geschlafen hat? Oder nur Personen, die ausschließlich mit dem gleichen Geschlecht schlafen? Und was ist mit denen, die sich nicht trauen, ihre sexuelle Neigung offenzulegen?

Wer sich weiter für dieses Thema interessiert, dem empfehlen wir ein kürzlich veröffentlichtes Video von Mai Nguyen-Kim (maiLab/funk):

Das heißt?

Abschließend lässt sich also sagen, dass die Wahrscheinlichkeit für Jungs zwar steigt, homosexuell zu sein, je mehr ältere Brüder sie haben, es jedoch nicht der einzige Grund für eine Homosexualität ist. Und ein Junge mit vielen älteren Brüdern kann durchaus auch heterosexuell sein.

Stellt sich nur noch die Frage, inwieweit so etwas denn überhaupt relevant ist. Auf Anfrage von IstDasFakt?! schreibt uns der Lesben- und Schwulenverband:

Grundsätzlich halten wir […] nichts von Ursachenforschung. Was auch in dieser Studie durchklingt ist ein defizitärer Blick auf Homosexualität – es kommt zu einer Immunreaktion bei der Mutter, die ’nicht normal‘ ist.

Markus Ulrich, LSVD, gegenüber IstDasFakt?!

Dieser Beitrag erschien erstmalig am 16.12.2019 bei IstDasFakt?!.

Quellen:

welt.de, welt.de, stern.de, pnas.org, gayexplained.com, swr.de, lsvd.de, wikipedia.org, planet-wissen.de, bzga.de (Liebesleben, DOWNLOAD), maiLab (funk) via youtube.com

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