Wer erwischt am meisten Schildkröten?

Lesezeit: 3 Minuten

Was tut man, wenn einem ein Tier während der Fahrt auf einer Landstraße vors Auto läuft? In der Fahrschule lernen wir die Vollbremsung. Und wenn das Tier klein genug ist, kann man es vielleicht auch umfahren. Aber es absichtlich zu töten, wird doch hoffentlich keiner machen!

Der Aussage eines US-amerikanischen Studenten zufolge, passiert aber genau das. Sechs Prozent der Fahrer sollen absichtlich ihre Spur ändern, um eine Schildkröte zu überfahren.

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Die Zahl der Schildkröten nimmt in den USA immer weiter ab. Warum dies so ist, wollte der Student Nathan Weaver von der Clemson University herausfinden. Er kam zu dem Schluss, dass besonders viele Schildkröten ihr Leben verlieren, wenn sie eine Straße überqueren.

Um ihnen zu helfen, beschloss der 22-jährige, das Verhalten der Autofahrer zu analysieren, um so eine Methode zu entwickeln, die Schildkröten sicherer auf die andere Seite zu bekommen. Dazu setzte er eine Plastikschildkröte auf die Fahrbahn und untersuchte die Reaktionen der vorbeifahrenden Autos. Dabei musste er feststellen, dass viele Autofahrer absichtlich die Spur änderten, um die Attrappe zu überfahren. Alleine in der ersten Stunde wurde die Schildkröte sieben Mal absichtlich überrollt. Bei 267 durchgefahrenen Autos sind das zwar “nur” 2,6 % – trotzdem erschreckend.

Es war überraschend. Ich habe zwar von Freunden gehört, dass sie Leute kennen, die Schildkröten überfahren haben. Aber es mit eigenen Augen zu sehen, war schockierend!

Nathan Weaver gegenüber AP

Anderes Experiment, andere Werte

In ihrem Post berichtet Faktastisch jedoch über eine Todesrate von 6 %. Wie kommt dieser Wert zustande?

Nunja, da ist wohl ein bisschen was durcheinander gekommen. Im Juli 2012 machte nämlich der NASA-Forscher Mark Rober ein ähnliches Experiment. Er wollte jedoch untersuchen, ob Autofahrer eher Schlangen, oder eher Schildkröten überfahren.

Dafür platzierte er nacheinander eine unechte Schildkröte, Spinne und Schlange auf der Straße. Zur Kontrolle legte er auch ein Blatt dazu. Das Ergebnis: 94 % der Autofahrer fuhren an den Plastiktieren vorbei, ohne ihnen zu schaden. 6 % änderten jedoch absichtlich die Spur, um ein Tier zu töten.

Dabei fuhren 1,8 % aller Autofahrer absichtlich über die Schlange, 3,2 % über die Spinne und “nur” 1 % über die Schildkröte. Das Blatt überfuhr keiner.

Am häufigsten neigten übrigens SUV-Fahrer zum Töten der Tiere. Das dazugehörige Video findet ihr hier:

Auch in Deutschland gibt es kaltblütige Autofahrer

Wer jetzt denkt, dass nur in Amerika Tiere absichtlich totgefahren werden, liegt falsch. Da es hierzulande keine Schildkröten in freier Wildbahn gibt, ist es schwieriger, diese zu überfahren, allerdings geraten andere Tiere unter die Räder.

Vor allem Ratten, Bisamratten, Mäuse und Marder werden von Autofahrern in Deutschland absichtlich an- oder überfahren. Laut dem Agrarwissenschaftler Edmund Haferbeck, der für die Tierrechtsorganisation Peta aktiv ist, liege das daran, dass diese Tiere für den Autofahrer auch nach einem flüchtigen Blick einen Ekel- oder Schädlingsfaktor aufweisen würden.

Wer Tiere quält, muss (k)ein Psychopath sein

Wer Tiere absichtlich quält, ist Studien zufolge übrigens nicht unbedingt psychisch krank. Häusliche Gewalt, Misshandlungen oder Vergewaltigungen können dabei jedoch eine Rolle spielen.

60 % aller Täter von Gewalt- oder Tötungsdelikten in den USA töteten Untersuchungen zufolge im Kindesalter bereits Tiere. Und wer in einer Umgebung aufgewachsen ist, in der es normal war, Tieren Schaden zuzufügen, bei dem ist es demnach auch wahrscheinlicher, dass er das eigene Kind misshandelt.

Wer übrigens in Deutschland Tiere absichtlich quält, muss mit einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder einer Geldstrafe von bis zu 25.000 € rechnen.

(Klein-)Tiere zu überfahren ist kein Kavaliersdelikt und sollte vermieden werden.

Dieser Beitrag erschien erstmalig am 02.09.2019 bei “IstDasFakt?!” .

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Quellen:

welt.de, welt.de, sueddeutsche.de, sott.net, themeshreport.com, postandcourier.com, huffpost.com, gizmodo.com, tierschutzbund.de

Bildquellen

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