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Von gold zu blau: Rentiere ändern ihre Augenfarbe, um besser sehen zu können

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Lesezeit: 2 Minuten

Dass viele Tiere ihr Fell entsprechend der Jahreszeit anpassen, ist weitestgehen bekannt. Im Sommer haben sie ein Sommer-, im Winter ein Winterfell.

So auch das Rentier. Dieses wechselt jedoch nicht nur das Fell, sondern auch die Augenfarbe, um besser sehen zu können.

Aber stimmt das überhaupt? Und wenn ja, warum?

Über diese Bewertung

Glen Jeffery und sein britisch-norwegisches Forscherteam veröffentlichten 2013 eine einzigartige Entdeckung: Im Sommer sei die Augenfarbe der Rentiere gold-türkisfarben, im Winter hingegen tiefblau. Angeblich sollen die Tiere so besser im Dunkeln sehen können.

Das Sommer- und das Winterauge

Im Sommer ist es in Teilen Norwegens zwei Monate am Stück durchgehend hell – im Winter zwei Monate lang durchgehend dunkel. Um in allen Jahreszeiten den perfekten Durchblick zu behalten, nutzen Rentiere je nach Jahreszeit ein unterschiedliches System: Im Sommer reflektieren sie das Licht und im Winter streuen sie es.

Im Sommer herrscht in Nordnorwegen ein Überangebot an Helligkeit. Deshalb wird das meiste eintreffende Licht wieder reflektiert – rund 95 Prozent. Das geschieht hinter der Netzhaut, auf dem sogenannten </code>Tapetum lucidum<code>. Im Winter, wenn es überwiegend dunkel ist, reflektiert das Tapetum hingegen nur rund 40 Prozent des einfallenden Lichtes. Hierbei verstreut sich das Licht nämlich auf der Netzhaut und wird nicht direkt reflektiert. Dadurch steigt die Lichtempfindlichkeit der Rentiere: Sie können auch bei fast vollständiger Dunkelheit sehen, allerdings auf Kosten der Qualität, sprich der Sehschärfe.

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Um diesen Effekt zu erzeugen, strukturiert sich das Tapetum um. Beim Winterauge liegen die Fasern dichter beieinander, sodass einfallendes Licht in kürzeren Wellenlängen streut. Dies lässt das Auge in der Farbe blau erscheinen. Im Sommer, wo die Fasern des Tapetums weiter auseinander liegen, erscheinen die Augen hingegen gold-türkisfarben.

Die Augenfarbe ändert sich – aber nicht, um besser sehen zu können

Es stimmt also, dass Rentiere ihre Augenfarbe der Jahreszeit anpassen. Allerdings wurde Aktion mit Reaktion verwechselt: Die Tiere können durch die tiefblaue Augenfarbe im Winter nicht besser sehen, sondern bekommen eine tiefblaue Augenfarbe, aus dem Effekt heraus, dass sie besser sehen können. Die Augenfarbe ist also nicht der Auslöser, sondern lediglich ein Nebenprodukt der erhöhten Sehfähigkeit.

Auch unsere Haustiere machen sich diesen Effekt zunutze: Bei Hunden und Katzen bspw. leuchten die Augen nachts gelb. Rentiere sind jedoch die einzigen bekannten Säugetiere, die langfristig ihre Augen an diese wechselnden Bedingungen anpassen können.

Dieser Beitrag erschien erstmalig am 08.01.2020 bei IstDasFakt?!.

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Quellen:
biomedcentral.com, das-tierlexikon.de, focus.de, geo.de, SciShow via youtube.com, royalsocietypublishing.org, spektrum.de, uit.no, wikipedia.org, wikipedia.org, wikipedia.org, zeit.de

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Finn Härtel

Hi, ich bin Finn. Aktuell studiere ich in Halle (Saale) Politikwissenschaften und Geschichte. In meiner Freizeit kümmere ich mich darum, dass hier bei IstDasFakt?! - der Faktenchecker alles so läuft, wie es soll. Außerdem bin ich Autor für den Podcast.

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