Die Fußstellung des Pferdes verrät den Tod des Reiters

Lesezeit: 5 Minuten

In fast jeder Innenstadt findet man ein Reiterdenkmal einer (berühmten) Persönlichkeit. Und auch, wenn Du nicht sofort weißt, um wen es sich handelt, kannst Du immerhin bestimmen, wie diese Person gestorben ist. Ein ganz einfacher Trick hilft: Steht das Pferd mit allen vier Beinen auf dem Boden, ist der Reiter eines natürlichen Todes gestorben. Ist ein Vorderbein in der Luft, erlag die Person ihren durch einen Kampf zugezogenen Wunden. Und sind beide Vorderbeine in der Luft, so starb die Person direkt im Kampf.

Ein einfaches System. Aber stimmt es auch?

Über diese Bewertung

Diese Theorie ist ganz leicht nachprüfbar: Einfach in ein paar Innenstädte fahren, sich die Statuen angucken, die Todesursache des Reiters recherchieren und dann überprüfen, ob die Theorie stimmt. – Das würde gehen, ist aber viel zu sportlich. Deshalb haben wir bei Wikipedia nach Reiterstandbildern gesucht und dann die Todesumstände mit der Theorie verglichen. Das geht schön gemütlich vom Bürostuhl aus. (Eine Couch tut’s auch 😉 ).

Mit allen Vieren auf dem Boden

Also, fangen wir an. Als Erstes sehen wir uns Reiter an, dessen Pferde alle vier Beine auf dem Boden hat.

Ludwig der IV.

So zum Beispiel bei dem Reiterdenkmal von Ludwig dem IV. auf dem Friedensplatz in Darmstadt. Er wurde 1282 oder 1286 in München geboren. Ab 1314 war er römisch-deutscher König und ab 1328 Kaiser des Heiligen Römischen Reiches. Ludwig sitzt bei dem Denkmal zurecht auf einem Pferd, denn er starb auch auf einem. 1347 soll er bei einer Jagd bei Puch einen Schlaganfall erlitten haben und vom Pferd gefallen sein. Da es sich bei einem Schlaganfall um eine natürliche Todesursache handelt, stimmt die Theorie mit den Beinen, denn wenn das Pferd alle vier Beine auf dem Boden hat, soll der Reiter ja eines natürlichen Todes gestorben sein.

Schauen wir uns einen weiteren Reiter an.

Jan Žižka von Trocnov

Auch Jan Žižkas Pferd steht in Prag mit allen vier Füßen auf dem Boden. Der Reiter wurde um 1360 herum in Trocnov geboren und war der bedeutendste Heeresführer der Hussiten in den Hussitenkriegen. Er starb am 11. Oktober 1424 bei der Belagerung von Primislau. Allerdings nicht durch einen Kampf, sondern durch die Pest, einer natürlichen Todesursache.

Bisher scheint die Theorie also zu stimmen.

Ein Bein in der Luft

Karl Wilhelm Ferdinand von Braunschweig-Wolfenbüttel

Zu sehen ist der deutsche Fürst Karl Wilhelm Ferdinand von Braunschweig-Wolfenbüttel auf einem Pferd in Braunschweig.

Karl Ferdinand wurde 1753 in Wolfenbüttel geboren und kam im Laufe seines Lebens als Offizier in preußischen Dienst. Damit war er unter anderem an den Koalitionskriegen beteiligt. Diese haben wir euch bereits einmal zusammengefasst.

Sein Tod muss ziemlich schmerzhaft gewesen sein. Zur Erinnerung: Ein Bein in der Luft soll bedeuten, dass der Reiter durch eine Kampfesverletzung gestorben sein soll.

In der Schlacht von Auerstedt am 14. Oktober 1806 zertrümmerte eine von der Seite kommende Gewehrkugel beide Augen des Fürsten. Am 20. Oktober erreichte er Braunschweig und brach von dort aus fünf Tage später nach Dänemark auf. Am 10. November 1806 erlag Karl Ferdinand seinen Verletzungen.

Auch hier scheint die Theorie also zu stimmen.

Carlos IV.

Wir machen weiter mit einem Denkmal aus Spanien. Als Reiter zu sehen ist Carlos IV. Er wurde 1748 in Portici geboren und war ab 1788 spanischer König. Am 19. März 1808 musste er jedoch abdanken und war gezwungen nach Rom zu gehen, wo er 11 Jahre später eines natürlichen Todes starb. Hier scheint die Theorie also nicht zu stimmen, denn sonst müssten ja alle vier Beine des Pferdes auf dem Boden sein. Aber vielleicht bestätigen ja Ausnahmen die Regel?

Die Vorderbeine in der Luft

Der Vollständigkeit halber schauen wir uns natürlich auch noch Statuen an, wo das Pferd beide Vorderbeine in der Luft hat.

Eugen von Savoyen

Wir beginnen mit Eugen Franz, Prinz von Savoyen-Carignan. Er wurde 1663 in Paris geboren und war einer der bedeutendsten Feldherren der Habsburgermonarchie. Bei dem Denkmal in Wien hat sein Pferd die Vorderbeine in der Höhe, was bedeutet, dass Prinz Eugen in einer Schlacht gefallen sein soll. Das stimmt allerdings nicht. Seine Schlachten überlebte er alle, nur einem letzten Kampf viel er zum Opfer: den gegen seine Lungenentzündung. Er starb am 21. April 1736 in Wien.

Peter I., der Große

Einen letzten Reiter haben wir noch vorbereitet: Peter den Großen. Er wurde 1672 in Moskau geboren und war von 1682 bis 1721 Zar und Großfürst von Russland und von 1721 bis 1725 erster Herrscher des Russischen Reichs. Seinem Pferd zufolge müsste er in einem Kampf gestorben sein, aber auch er starb an einer Krankheit. Am 8. Februar 1725 starb der Zar an den Folgen einer Rettungsaktion. Als er versuchte, eine Besatzung eines gekenterten Bootes zu retten, holte er sich durch das kalte Wasser “Blasenleiden in Verbindung mit einer Leberatrophie”.

Was sagt uns das?

Jetzt haben wir sechs Statuen überprüft und bei drei von ihnen, also der Hälfte, hat die Theorie gestimmt. Dadurch, dass sie bei den anderen drei Statuen jedoch nicht gestimmt hat, ist sie eindeutig falsch. Wie sollten sich die verschiedenen Künstler, die die Statuen gebaut haben, auch auf eine Art einigen?

Und nicht nur wir sind zu dem Ergebnis gekommen, dass die Theorie manchmal (wahrscheinlich zufällig) stimmt und manchmal nicht. Bereits Cecil Adams vom “Chicago Reader” hat stichprobenartig 18 Reiterstatuen auf diese Theorie hin untersucht. Sein Ergebnis: 8 Mal hat sie gestimmt, 8 Mal nicht. Bei zwei Statuen lagen nicht genügend Informationen vor.

Der Fakt ist somit falsch!

Dieser Beitrag erschien erstmalig am 02.08.2019 bei “IstDasFakt?!” .

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Quellen:

zeit.de, wikipedia.org, wikipedia.org, wikipedia.org, wikipedia.org, wikipedia.org, wikipedia.org

Bildquellen

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