Der Kapitän verlässt als Letzter das Schiff – und wenn er mit ihm untergehen muss!

Lesezeit: 2 Minuten

Der Kapitän verlässt als letzter das Schiff – und wenn er mit ihm untergehen muss. Das ist ein weitverbreiteter Glaube. Aber stimmt das denn wirklich, oder ist das nur alter Seemannsgarn?

Den Podcast zu diesem Artikel gibt es hier:

Die Pflicht, an Bord zu bleiben, bis alle anderen das Schiff verlassen haben, ist in vielen Ländern tatsächlich gesetzlich veranker. Vorweg: Wenn das Schiff wirklich sinkt, dann darf sich der Kapitän natürlich auch irgendwann retten. Aber als einer der Ersten das Schiff zu verlassen, wie es zum Beispiel 2012 bei der Costa Concordia passiert ist, das geht nicht!

Im deutschen Seerecht gibt es keinen ausdrücklichen Paragrafen dazu, aber die zwei Juristen Georg Schaps und Hans-Jürgen Abraham kamen 1978 zu dem Schluss, dass sich diese Vorschrift zumindest indirekt erschließen lässt, zum Beispiel aus dem Seemannsgesetz. Außerdem kann der Kapitän später wegen Totschlags durch Unterlassen oder unterlassener Hilfeleistung zur Verantwortung gezogen werden.

Ganz eindeutig ist hingegen das italienische Gesetz: Dessen § 303 im Codice della navigazione sagt:

“Der Kapitän muss das Schiff als Letzter verlassen und dabei nach Möglichkeit die Karten und Logbücher retten sowie die Wertgegenstände, die ihm anvertraut wurden.”

§ 303, Codice della navigazione

Macht er das nicht, drohen ihm nicht nur zivilrechtliche Ansprüche der Reederei, der Paragraf ist auch mit saftigen Strafen bewehrt: Kapitäne, die das Schiff zu früh verlassen, können die See bis zu 12 Jahre lang (und darüber hinaus) nur noch hinter Gitterstäben sehen.

Auch in der Schweiz ist man so streng: Der Artikel 134 des Seeschifffahrtsgesetzes schreibt vor:

“Der Kapitän, der ein schweizerisches Seeschiff in Gefahr nicht als Letzter verlässt, wird mit Gefängnis oder Busse bestraft.“

Artikel 134, Seeschifffahrtsgesetz

Frauen und Kinder aber zuerst! Oder?

Und wie sieht es eigentlich mit dem Verhaltenskodex „Frauen und Kinder zuerst!“ aus? Ist der irgendwo rechtlich festgeschrieben?

Nein, ist es nicht und laut dem Evakuierungsexperten Ed Galea von der University of Greenwich ist es heutzutage auch so, dass man den hilfsbedürftigen Menschen zuerst hilft, nicht jedoch explizit den Frauen oder Kindern. Und laut einer Studie der Universität Uppsala aus Schweden ist diese Regel auch nur eine Ausnahme.

Dieser Beitrag erschien erstmalig am 31.03.2019 bei „IstDasFakt?! – der Podcast” .

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