Das Monster in meinem Spiegel

Lesezeit: 4 Minuten

Optische Täuschungen sind schon was Tolles, oder was würdest Du sagen? Welches Schwesternpaar auf dem Bild ist das Größte? Das ganz hinten? Falsch! Tatsächlich sind alle gleich groß. Das Paar im Vordergrund wirkt sehr klein, denn die Entfernung wird als gering interpretiert. Wäre es in Wirklichkeit genauso groß wie das mittlere Paar, müsste es auf dem Bild größer erscheinen. Da es auf dem Bild aber exakt genauso groß wie das mittlere Paar ist, folgert das Gehirn, dass die Personen in Wirklichkeit kleiner sein müssen. Das Gleiche gilt für das hintere Paar. Eigentlich müsste seine Größe der der Frau im roten Mantel entsprechen. Stattdessen wird es in mehr als doppelter Größe gesehen.

Doch optische Täuschungen funktionieren nicht nur auf Bildern. Auch in der Realität lassen sie sich finden. So soll beispielsweise der “Troxler-Effekt” dafür verantwortlich sein, dass man gruselige Reflexionen im Spiegel sieht, wenn man zu lange reinschaut. Schuld daran soll das Gehirn sein, das sich langweilt. Doch stimmt das?

Über diese Bewertung

Der Selbstversuch

Wie heißt es so schön? Probieren geht über studieren! Und Du kannst ganz einfach mitmachen. Verdunkle das Zimmer ein wenig und setzte oder stelle Dich vor den Spiegel. Schau Dir dann für ein paar Minuten (länger als 10 dürften es nicht sein) ganz tief in Deine Augen. Nach einer gewissen Zeit solltest Du Veränderungen feststellen können. Diese können sich von Person zu Person unterscheiden. Ich bin zum Beispiel ganz plötzlich um mehrere Jahre gealtert und hatte ein bisschen das Gesicht eines Totenkopfes. Ein wirkliches Monster habe ich nicht gesehen. Vielleicht hätte ich dafür noch ein wenig länger in den Spiegel schauen müssen, aber der Artikel schreibt sich ja nicht von selbst 😉 .

Deine Erfahrung kannst Du gerne in die Kommentare schreiben! Wir sind gespannt. Wenn es bei Dir nicht geklappt haben sollte, kannst Du es ja noch einmal bei anderen Lichtverhältnissen ausprobieren. Wenn auch das nichts änderst, gehörst Du vermutlich zu den 5 %, die keine Veränderung wahrnehmen.

Die Erklärung

Natürlich wurde dieser Effekt schon wissenschaftlich untersucht. Und zwar von dem Italiener Giovanni Caputo im Jahr 2010. Er nennt es die “Strange Face Illusion”. Für seine Studie bat er 50 Probanden, für 10 Minuten lang bei gedimmtem Licht in einen Spiegel zu schauen. Das Ergebnis: Von Person zu Person unterschieden sich die Veränderungen stark. 66 % der Probanden konnten drastische Veränderungen ihres Gesichts erkennen. So sahen beispielsweise einige das Gesicht eines Elternteils, von denen 8 % noch lebten und 10 % verstorben waren. Andere wiederum sahen eine unbekannte Person, etwa eine alte Frau, ein Kind oder das Porträt eines Vorfahren. Und wieder andere sahen Tiergesichter, wie das eines Schweins, einer Katze oder eines Löwen. 48% sahen ein monsterähnliches Gesicht.

Doch warum diese Veränderung? Das ist noch nicht eindeutig geklärt. Dass es etwas damit zu tun hat, dass sich das Gehirn langweilt, ist aber auszuschließen. Caputo vermutet, dass die Veränderungen durch visuelle Verzerrungen zustande kommen, die den körpereigenen “Gesichtserkenner” beeinflussen.

Zum Beispiel sind wir in der Lage, fast überall Gesichter zu erkennen; in Wolken, in Bäumen, bei einer Kombination aus zwei Punkten und einem Strich. Laut Caputo sucht das Gehirn immer nach Gesichtern und ein “Gesichtserkennungssystem” sorgt dafür, dass wir Personen erkennen, auch wenn sich diese nur minimal von anderen unterscheiden.

Um jetzt auf die Gesichter im Spiegel zurückzukommen, heißt das, dass Caputo vermutet, dass geringe Veränderungen (wie zum Beispiel Schatten und Konturen) dafür sorgen können, dass unser Gehirn das Gesicht im Spiegel als eine andere Person interpretiert und wir deshalb ein anderes Gesicht wahrnehmen.

Der Troxler-Effekt

Allerdings könnte auch der sogenannte “Troxler-Effekt” für das Phänomen verantwortlich sein. Hierbei verändert sich die Umgebung, wenn man sich auf einen Punkt in der Mitte konzentriert, wie die folgenden zwei Beispiele verdeutlichen:

Bei längerem Betrachten des Bildes verblassen nach etwa 20 Sekunden die farbigen Kreise, sofern Augenbewegungen unterdrückt werden. Einige Betrachter sehen an Stelle der Lücke einen wandernden hellgrünen Kreis.
Beim Fixieren der Bildmitte aus kurzer Distanz verschwinden die Farbtöne nach einigen Sekunden scheinbar.

Allerdings ist es bei dem Spiegel-Phänomen fraglich, ob der Troxler-Effekt hier eine Rolle spielt, da man schließlich Dinge wahrnimmt, die gar nicht da sind. Man halluziniert.

Was auch immer die genaue Erklärung für die Monster im Spiegel sind, wird in den kommenden Jahren vielleicht ja noch genauer erforscht. Du kannst uns aber gerne einmal Deine Erfahrungen in die Kommentare schreiben. Was hast Du gesehen? Wir sind gespannt!

Dieser Beitrag erschien erstmalig am 11.06.2019 bei “IstDasFakt?!” .

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